AI Work · Level 2 · Fortgeschritten

Social-Media- und Markenmonitoring mit KI

Listening, Stimmungsanalyse und ihre Grenzen, Alarme und Krisensignale, KI-Antwortentwürfe mit Freigabe und ein Monatsbericht: Markenmonitoring mit KI.

Von 7 Min. Lesezeit
Listening, Stimmungsanalyse und ihre Grenzen, Alarme und Krisensignale, KI-Antwortentwürfe mit Freigabe und ein Monatsbericht: Markenmonitoring mit KI.

Jeden Tag erwähnen Menschen Marken in Beiträgen, Bewertungen, Foren, Videos und Nachrichtenartikeln. Die meisten dieser Erwähnungen erreichen das Unternehmen nie. Manche sind Lob, das Sie teilen könnten, manche sind Fragen, die niemand beantwortet, und einige wenige sind die ersten Anzeichen eines Problems, das gerade wächst. Markenmonitoring findet diese Erwähnungen. KI hilft, sie zu sortieren, Muster zu erkennen und schneller Antworten zu entwerfen.

Dieser Artikel ist Teil 4 von Level 2 unseres Lernpfads AI Work. In Level 1 haben Sie KI für Marketing-Inhalte genutzt, also für die Botschaften, die Sie aussenden. Dieser Teil behandelt die andere Richtung: was andere über Sie sagen und wie Sie darauf reagieren. Sie lernen den Unterschied zwischen Monitoring und Listening, wie Sie Suchabfragen einrichten, was Stimmungsanalyse kann und was nicht, wann ein Alarm eine Krise bedeutet, wie KI Antworten entwirft, die Menschen freigeben, und was ein nützlicher Monatsbericht enthält.

Monitoring, Listening, Management: drei verschiedene Aufgaben

Drei Begriffe werden oft verwechselt. Sie beschreiben verschiedene Aufgaben, und viele Teams brauchen alle drei:

Social-Media- und Markenmonitoring mit KI
AufgabeWelche Frage sie beantwortetTypisches Ergebnis
MarkenmonitoringWas sagen die Leute gerade über uns?Ein Strom von Erwähnungen, Alarme, Antworten
Social ListeningWelche Muster zeigen sich über Wochen und Monate?Themen, Stimmungstrends, Share of Voice
Social-Media-ManagementWie planen, veröffentlichen und antworten wir auf eigenen Kanälen?Redaktionsplan, Freigaben, ein Posteingang, Berichte

Markenmonitoring, auch Medienbeobachtung genannt, sammelt Erwähnungen Ihrer Marke im Netz. Social Listening wertet diese Erwähnungen über längere Zeit aus und sucht Muster, etwa ein Thema, das immer wiederkehrt. Tools für Social-Media-Management kümmern sich um Ihre eigenen Konten: Sie planen und veröffentlichen Beiträge und bündeln Kommentare und Nachrichten an einem Ort. Zusammen ergeben sie einen Kreislauf, der nie wirklich endet:

Kreislauf aus sechs Schritten: sammeln, einordnen, alarmieren, antworten, berichten, nachschärfen; die KI hilft beim Einordnen und Entwerfen, ein Mensch gibt Antworten frei
Der Kreislauf des Markenmonitorings: sammeln, einordnen, alarmieren, antworten, berichten und nachschärfen — immer wieder.

Unser Vergleich führt Tools für diese Aufgaben im Bereich Marketing & Werbung. Nach Angaben des Anbieters sammelt Brand24 Erwähnungen einer Marke aus Social Media, Nachrichten, Blogs, Foren, Podcasts und Bewertungen:

Brand24 — Bild von der Website des Anbieters
Brand24: Medienbeobachtung: findet Erwähnungen einer Marke in sozialen Netzen, Nachrichten, Blogs, Foren und Bewertungen. Bild: Quelle brand24.com. Brand24 im Vergleich →

Für die anderen Aufgaben plant, veröffentlicht, beantwortet und berichtet Vista Social über mehrere Social-Media-Profile hinweg, SleekFlow bündelt Nachrichten aus WhatsApp, Instagram und Live-Chat in einem Posteingang, und Rebolt verbindet Website, Social Media und KI-gestütztes Marketing für Handwerks- und Servicebetriebe — jeweils nach Angaben der Anbieter:

Kurzbeschreibungen aus unserem Tool-Vergleich, nach Angaben der Anbieter — nicht von ABXK getestet.

Suchabfragen, die die richtigen Erwähnungen finden

Ein Monitoring-Tool findet nur, was seine Suchabfrage beschreibt. Eine Suchabfrage (Query) ist eine gespeicherte Suche: ein Satz von Wörtern und Regeln, der festlegt, welche Erwähnungen das Tool sammelt. Eine gute Abfrage hat fünf Bausteine:

  • Markennamen in allen Schreibweisen. Heißt Ihre Marke Northwind, nehmen Sie „Northwind“, „North Wind“ und „#northwind“ auf.
  • Produktnamen und Kampagnen-Hashtags, damit Sie Rückmeldungen je Produkt und je Start sehen.
  • Häufige Tippfehler, denn Menschen tippen schnell.
  • Wettbewerber, damit Sie vergleichen können, wie oft über Sie und wie oft über die anderen gesprochen wird.
  • Ausschlüsse. Viele Namen haben andere Bedeutungen. Eine Abfrage für eine Marke namens Jaguar muss Beiträge über das Tier ausschließen, sonst füllt sich Ihr Strom mit Tierfotos.

Die meisten Tools verbinden diese Bausteine mit den Operatoren AND, OR und NOT. Beginnen Sie breit, lesen Sie ein paar Tage lang, was hereinkommt, und ergänzen Sie dann Ausschlüsse, bis die meisten Treffer passen.

Kennen Sie auch die Grenzen. Monitoring-Tools sehen nur, worauf sie zugreifen können: öffentliche Beiträge, Nachrichtenseiten, Blogs, Foren und Bewertungsportale. Private Gruppen und Messenger-Chats bleiben unsichtbar, und jede Plattform entscheidet, wie viele Daten sie herausgibt. „Keine Erwähnungen“ heißt also nicht „niemand spricht über uns“.

Was Stimmungsanalyse kann und was nicht

Die Stimmungsanalyse (Sentiment-Analyse) ordnet jeder Erwähnung eine Stimmung zu: positiv, negativ oder neutral. Moderne Tools nutzen Sprachmodelle, die Zusammenhänge viel besser verstehen als die alten Schlagwortlisten. Doch menschliche Sprache steckt voller Fallen:

Vier erfundene Erwähnungen mit dem Etikett, das ein Tool vergeben könnte, und der tatsächlichen Bedeutung: Ironie als positiv erkannt, eine gemischte Meinung als neutral, Lob in Umgangssprache als negativ und eine neutrale Frage, die trotzdem eine Antwort braucht
Erfundene Beispiele für typische Fehler der Stimmungsanalyse: Ironie, gemischte Meinungen, Umgangssprache und neutrale Fragen, die eine Antwort brauchen.

  • Ironie. „Super, die App ist schon wieder abgestürzt“ sagt mit einem positiven Wort etwas Negatives.
  • Gemischte Meinungen. „Tolles Produkt, aber der Support ist eine Katastrophe“ enthält zwei Meinungen. Ein einziges Etikett kann nicht beide erfassen.
  • Umgangssprache. In „Das neue Rad ist echt krank!“ ist „krank“ ein Lob.
  • Neutral, aber dringend. „Habt ihr am Sonntag geöffnet?“ hat gar keine Stimmung und braucht trotzdem heute eine Antwort.

Die praktische Regel: Nutzen Sie Stimmungswerte für Trends, nicht für Entscheidungen über einzelne Beiträge. Ein steigender Anteil negativer Erwähnungen zur Lieferung ist ein nützliches Signal, auch wenn einzelne Etiketten falsch sind. Um zu wissen, wie weit Sie dem Trend trauen können, lesen Sie jeden Monat eine Stichprobe von Hand und vergleichen Ihr Urteil mit den Etiketten des Tools. Prüfen Sie jede Sprache, die Sie beobachten, getrennt.

Alarme und Krisensignale

Niemand liest jede Erwähnung in Echtzeit. Alarme benachrichtigen die richtige Person, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Nützliche Auslöser sind ein plötzlicher Sprung in der Zahl der Erwähnungen, ein deutlicher Schwenk ins Negative, die Erwähnung durch ein Konto mit großer Reichweite, etwa von einer Journalistin, und Risikowörter wie „Rückruf“, „Klage“, „Datenleck“ oder „Lebensmittelvergiftung“.

Legen Sie vorher fest, wer bei welchem Signal handelt. Vier Alarmstufen sind ein praktischer Anfang:

Vier ansteigende Stufen: normal, mit Fragen und Lob für das Community-Team; beobachten, bei mehreren negativen Beiträgen zu einem Thema; eskalieren, bei schnell wachsender Kritik oder einem reichweitenstarken Konto, mit der Kommunikationsabteilung; Krise, bei Sicherheits-, Rechts- oder Datenproblemen, mit Krisenteam und pausierter Automatik
Vier Alarmstufen: Jede legt fest, wer handelt und was als Nächstes passiert.

Auf der Krisenstufe pausieren Sie alle geplanten Beiträge und automatischen Antworten. Ein fröhlicher Produktbeitrag mitten in einem Rückruf wirkt gedankenlos, auch wenn er seit Wochen geplant war. Bereiten Sie kurze Erstreaktionen (Holding Statements) vor: freigegebene erste Antworten, die zeigen, dass Sie das Problem kennen, bevor alle Fakten vorliegen.

KI-Antwortentwürfe, von Menschen freigegeben

KI kann Antworten auf Kommentare, Bewertungen und Nachrichten im Ton Ihrer Marke entwerfen und spart damit viel Zeit. Geben Sie ihr zwei Dinge mit: einen kurzen Leitfaden zu Ihrer Markenstimme und eine Liste freigegebener Fakten, etwa Lieferzeiten, Rückgaberegeln und Öffnungszeiten. Dann gibt ein Mensch jede Antwort frei, bevor sie erscheint. Er prüft drei Punkte: Stimmen die Fakten? Passt der Ton? Verspricht die Antwort etwas, etwa eine Erstattung, das niemand genehmigt hat?

Nicht jede Antwort braucht dieselbe Prüferin. Routinemäßige Dankesantworten kann das Community-Management gesammelt freigeben. Beschwerden gehen an den Kundenservice. Alles zu Sicherheit, Recht oder Presse geht an die Leitung der Kommunikation. Level 3 zeigt im Detail, wie Sie solche Prüfungen durch Menschen und Eskalationswege gestalten.

Menschen fragen auch KI-Assistenten nach Marken, und die Antworten stützen sich auf das, was online über Sie geschrieben steht. Level 3 zeigt, wie Sie prüfen, wie Ihre Marke in KI-Antworten erscheint.

Ein Monatsbericht, der zu Maßnahmen führt

Ein Monitoring-Bericht nützt nur, wenn er etwas verändert. Halten Sie ihn kurz und nehmen Sie jeden Monat dieselben Kennzahlen auf, damit Trends sichtbar werden:

Social-Media- und Markenmonitoring mit KI (2)
KennzahlWas sie zeigtAchtung
ErwähnungenMenge pro Monat im Vergleich zum VormonatEin Ausschlag kann eine Kampagne, eine Krise oder eine Welle von Bot-Beiträgen sein
Share of VoiceIhr Anteil an allen Erwähnungen im Vergleich zu ausgewählten WettbewerbernNur vergleichbar, wenn die Abfragen gleich aufgebaut sind
StimmungstrendAnteil positiver und negativer Erwähnungen im ZeitverlaufDie Fehlerquote aus Ihrer Stichprobe mit angeben
Wichtigste ThemenWorüber am meisten gesprochen wird: Lieferung, Preis, QualitätNach Themen bündeln, nicht nach einzelnen Beiträgen
AntwortzeitZeit von der Erwähnung bis zur ersten AntwortNur Erwähnungen zählen, die eine Antwort brauchen
MaßnahmenWas sich durch die Rückmeldungen geändert hatDer Beweis, dass sich das Monitoring lohnt

Schließen Sie jeden Bericht mit zwei oder drei Entscheidungen: eine Korrektur auf einer Produktseite, eine neue Antwort in den FAQ, ein Thema für die nächste Kampagne. Ein Bericht ohne Maßnahmen ist nur eine Sammlung von Diagrammen.