Sie tippen eine Frage ein, drücken die Eingabetaste und bekommen Sekunden später eine Antwort. Das fühlt sich an wie ein privates Gespräch, fast wie eine Notiz an sich selbst. Tatsächlich ist Ihr Text in ein Rechenzentrum gereist. Was dort mit ihm geschieht, hängt vom Anbieter ab, von Ihrem Konto und von ein paar Einstellungen, die viele Menschen nie öffnen.
Dieser Artikel ist Teil 3 von Level 0 in unserem Lernpfad AI Security. Er behandelt die zweite Seite der KI-Sicherheit aus Teil 1: Ihre Daten in KI-Tools. Sie erfahren, wohin Ihre Prompts gehen, wie lange Chats gespeichert werden, wann Menschen oder Modelle sie zu sehen bekommen, was Firmenkonten von privaten Konten unterscheidet und was Sie gar nicht teilen sollten.
Der Weg eines Prompts
Ein Prompt ist alles, was Sie an ein KI-Tool schicken: Ihre Frage, Ihre Anweisungen und jede Datei, die Sie hochladen. Sein Weg hat vier Stationen:
- Sie tippen. Der Prompt entsteht auf Ihrem Gerät, zusammen mit den bisherigen Nachrichten des Chats.
- Er reist verschlüsselt. Die Verbindung zum Anbieter ist verschlüsselt, unterwegs kann also niemand mitlesen. Auf den Servern des Anbieters ist der Text aber wieder lesbar; das muss er sein, sonst könnte das Modell nicht antworten.
- Das Modell antwortet. Das Modell läuft auf den Rechnern des Anbieters, nicht auf Ihrem Smartphone oder Laptop. Automatische Systeme prüfen viele Anfragen zusätzlich auf Missbrauch.
- Der Chat wird gespeichert. Die meisten Assistenten behalten den Chat in Ihrem Verlauf, damit Sie später weitermachen können. Von dort aus können Kopien andere Wege nehmen, je nach Anbieter und Einstellungen.

Wie lange Ihre Chats gespeichert bleiben
Ihr Chatverlauf bleibt meist gespeichert, bis Sie ihn löschen oder bis eine automatische Löschfrist abläuft, die sich bei manchen Assistenten einstellen lässt. Löschen entfernt den Chat sofort aus Ihrer Ansicht; aus seinen Systemen entfernt ihn der Anbieter nach einer gewissen Frist. Zwei Punkte überraschen viele Menschen:
- „Ohne Verlauf“ heißt nicht null. Viele Assistenten bieten einen temporären oder privaten Chat an. OpenAI gibt an, dass temporäre Chats in ChatGPT nicht im Verlauf erscheinen und nicht zum Training genutzt werden. Eine Kopie kann aber aus Sicherheitsgründen bis zu 30 Tage aufbewahrt werden (Quelle: OpenAI Help Center, Temporary Chat, help.openai.com). Google speichert Gemini-Chats 72 Stunden lang, auch wenn Sie die Aktivitätseinstellung ausgeschaltet haben (Quelle: Gemini Apps Privacy Hub, support.google.com).
- Manche Kopien bleiben länger. Google gibt an, dass Gemini-Chats, die menschliche Prüfer gesehen haben, bis zu drei Jahre aufbewahrt werden und dass das Löschen Ihrer Aktivitäten sie nicht löscht (gleiche Quelle).
Menschliche Prüfung und Training
Mit einem gespeicherten Chat kann noch zweierlei geschehen. Beides ist übliche Praxis, und beides sollten Sie kennen.
Menschliche Prüfung heißt, dass geschulte Menschen beim Anbieter eine Stichprobe von Gesprächen lesen, etwa um die Qualität der Antworten zu bewerten. Google gibt an, dass ein Teil der Gemini-Chats von Menschen geprüft wird, und bittet ausdrücklich darum, keine vertraulichen Informationen einzugeben, die ein Prüfer nicht sehen soll.
Training heißt, dass der Anbieter Gespräche nutzt, um künftige Modelle zu verbessern. Bei privaten Konten ist das oft voreingestellt oder wird als Wahl abgefragt, und meist können Sie es abschalten:
- OpenAI darf Inhalte aus ChatGPT bei privaten Tarifen zum Training seiner Modelle nutzen, solange Sie nicht widersprechen. Bewerten Sie eine Antwort mit Daumen hoch oder runter, kann das ganze Gespräch trotzdem genutzt werden, auch nach einem Widerspruch (Quelle: OpenAI, „How your data is used to improve model performance“, openai.com).
- Anthropic hat 2025 seine Bedingungen für Privatkunden geändert: Wer Claude mit einem privaten Tarif nutzt, entscheidet, ob die eigenen Chats zum Training verwendet werden dürfen. Bei Zustimmung werden die Daten bis zu fünf Jahre aufbewahrt, sonst 30 Tage (Quelle: Anthropic, „Updates to our consumer terms“, August 2025, anthropic.com).
Warum ist Training eine Frage des Datenschutzes? Forschung hat gezeigt, dass Sprachmodelle Teile ihrer Trainingsdaten auswendig lernen und wörtlich wiedergeben können (Quelle: Carlini et al., „Extracting Training Data from Large Language Models“, USENIX Security 2021). Anbieter filtern ihre Trainingsdaten, doch am sichersten ist der Text, den Sie nie eingefügt haben.
Privates Konto, Firmenkonto oder eigener Rechner
Derselbe Assistent kann je nach Konto anderen Regeln folgen. OpenAI gibt zum Beispiel an, Daten aus ChatGPT Business, ChatGPT Enterprise und seiner API standardmäßig nicht zum Training zu nutzen (Quelle: OpenAI, Business data privacy, openai.com). Auch die Änderung bei Anthropic von 2025 gilt nicht für Firmentarife und die API.
| Kontoart | Training mit Ihren Chats? | Wer die Einstellungen steuert | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Kostenloses oder bezahltes Privatkonto | Oft ja, solange Sie es nicht abschalten | Sie | Private Nutzung, keine vertraulichen Arbeitsdaten |
| Firmen- oder Enterprise-Tarif | Standardmäßig meist nicht; Vertrag prüfen | Die Admins Ihres Unternehmens | Arbeitsdaten, die Ihr Unternehmen freigegeben hat |
| API für Entwickler | Standardmäßig meist nicht; kurze Speicherung zur Missbrauchsprüfung ist üblich | Das Unternehmen, das die Anwendung baut | Apps und Automatisierungen auf Basis eines Modells |
| Modell auf dem eigenen Rechner | Nein; nichts verlässt Ihr Gerät, außer die App sendet es | Sie | Sehr sensible Texte, Arbeit ohne Internet |
Bei der Arbeit zählen zwei Details. Erstens gehört zu einem Firmentarif ein Vertrag, der regelt, wie der Anbieter die Daten Ihres Unternehmens verarbeiten darf. In der EU ist das ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV), den die DSGVO verlangt, wenn ein Dienstleister personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet. Zweitens legen bei einem Firmenkonto die Admins Ihres Unternehmens die Regeln fest, und je nach Tarif können sie auch auf Chat-Aufzeichnungen zugreifen, etwa für Compliance-Prüfungen.
Die letzte Zeile der Tabelle ist eine Möglichkeit, kein Muss. Open-Weight-Modelle, also Modelle mit offenen Gewichten, lassen sich herunterladen und auf eigener Hardware betreiben. Unsere LLM-Datenbank führt derzeit 172 Modelle mit offenen Gewichten. Kleine laufen auf einem guten Laptop, große brauchen leistungsstarke Grafikhardware.
Die Abbildung zeigt, wer einen Chat sehen kann. Die unterste Schicht hängt am stärksten von Ihnen ab: Ein gestohlenes Konto zeigt Fremden Ihren ganzen Chatverlauf.

Einstellungen, die sich lohnen
Jeder große Assistent hat in den Einstellungen einen Bereich für Datenschutz oder Daten. Die Namen unterscheiden sich, doch dieselben sechs Schalter tauchen immer wieder auf. Teil 4 dieses Levels nimmt sie in eine vollständige Sicherheits-Checkliste für den KI-Alltag auf.

Manche Tools umgehen die Frage ganz, weil sie Ihren Text nie hochladen. Unser eigener KI-Text-Detektor prüft Texte direkt in Ihrem Browser. Am anderen Ende stehen Plattformen wie Airia, mit denen Unternehmen ihre KI-Tools nach Angaben des Anbieters zentral und abgesichert verwalten. Die Anbieter-Tools haben wir nicht getestet.
Kurzbeschreibungen aus unserem Tool-Vergleich, nach Angaben der Anbieter — nicht von ABXK getestet.
Was in keinen KI-Chat gehört
Einstellungen verringern das Risiko, sie beseitigen es nicht. Manche Daten gehören gar nicht in einen Chat mit einem öffentlichen KI-Tool, egal was die Einstellungen sagen:
- Passwörter, Zugangscodes und Schlüssel. Keine KI-Aufgabe braucht sie.
- Personenbezogene Daten anderer. Kundenlisten, Personalakten, die Krankengeschichte eines Freundes.
- Ihre eigenen sensiblen Nummern. Bankverbindung, Ausweisnummern, Gesundheitsdaten.
- Firmengeheimnisse. Unveröffentlichte Zahlen, Verträge, Quellcode, Strategiepapiere, außer Ihr Unternehmen hat das Tool genau dafür freigegeben.
Oft bekommen Sie dieselbe Hilfe ohne die echten Daten: Ersetzen Sie Namen durch Platzhalter wie „Kunde A“, runden Sie Zahlen oder beschreiben Sie das Problem, statt das Dokument einzufügen. Level 1 erklärt ausführlich, was nicht in ein KI-Tool gehört, und unser Artikel zum Schutz persönlicher Daten beim Einsatz von KI-Tools zeigt Techniken wie das Maskieren.
Übung: ein Datenschutz-Check in fünf Minuten
Nehmen Sie den KI-Assistenten, den Sie am häufigsten nutzen, und gehen Sie diese Schritte durch:
- Öffnen Sie die Einstellungen und suchen Sie einen Bereich namens Datenschutz, Datenkontrollen oder Aktivitäten.
- Entscheiden Sie über das Training. Wenn Ihre Chats keine künftigen Modelle verbessern sollen, schalten Sie es ab. Das gilt meist nur für neue Chats.
- Prüfen Sie Verlauf und Gedächtnis. Löschen Sie alte Chats mit persönlichen Angaben und schauen Sie nach, was der Assistent in seinem Gedächtnis über Sie gespeichert hat.
- Prüfen Sie geteilte Links. Viele Assistenten listen die Chat-Links auf, die Sie geteilt haben. Löschen Sie alle, die Sie nicht mehr brauchen.
- Prüfen Sie verbundene Apps. Entfernen Sie Zugriffe auf E-Mail, Kalender oder Cloud-Speicher, die Sie nicht aktiv nutzen.
- Schreiben Sie sich eine Regel auf, zum Beispiel: „Kundennamen kommen nie in ein privates KI-Konto.“

