Ein Foto von einem überfluteten Hafen geht viral. Ihr „Sohn“ schickt eine Sprachnachricht von einer unbekannten Nummer. Ein Video zeigt eine Politikerin, die etwas Ungeheuerliches sagt. Bevor Sie teilen, zahlen oder reagieren, lohnen sich ein paar Minuten Prüfung. Spezielle Software brauchen Sie dafür nicht: Die meisten Prüfungen gelingen mit kostenlosen Suchwerkzeugen und einem genauen Blick.
Dieser Artikel ist Teil 5 von Level 1 unseres Lernpfads AI Security und schließt dieses Level ab. Teil 5 von Level 0 hat erklärt, was Detektoren und Content Credentials leisten und was nicht. Hier wird daraus eine Routine: sechs Schritte für Bilder, Audio und Video, wie viel jeder Hinweis beweist und wann Sie einen Fall an Fachleute abgeben.
Viele Fälschungen brauchen gar keine KI
Deepfakes machen Schlagzeilen, doch viele falsche Bilder entstehen auf weit einfachere Weise. Ein echtes Foto aus einem anderen Jahr, einer anderen Stadt oder von einem anderen Ereignis bekommt eine neue Bildunterschrift. Fachleute nennen solche einfachen Tricks Cheapfakes. Forschende von Google haben die Bilder in einer großen Stichprobe veröffentlichter Faktenchecks untersucht. KI-erzeugte Bilder nahmen zu. Einfache Tricks, allen voran echte Bilder in falschem Zusammenhang, stellten aber noch die Mehrheit, als die Datensammlung im November 2023 endete (Quelle: Dufour et al., „AMMeBa“, 2024, arxiv.org).
Auch die Werkzeuge für KI-Fälschungen sind leicht zu haben. Allein unser Tool-Vergleich führt im Bereich AI Productivity 13 Bildgeneratoren, 11 Videogeneratoren und 13 Stimmgeneratoren. Die Routine unten hilft gegen beide Arten von Fälschungen, denn sie prüft, woher eine Datei stammt — nicht nur, wie sie aussieht.
Sechs Schritte für jedes Foto, jede Sprachnachricht und jedes Video
Die Routine hat sechs Schritte. Sie gelten für Bilder, Audio und Video gleichermaßen, und die ersten drei entscheiden die Frage oft schon in wenigen Minuten.

Schritt 1: innehalten. Fälschungen sollen starke Gefühle auslösen: Angst, Wut, Mitleid oder Freude. Genau dieses Gefühl ist Ihr Signal, langsamer zu werden. Teilen, zahlen oder antworten Sie noch nicht.
Schritt 2: die Quelle finden. Wer hat es zuerst gepostet? Ein geteilter Beitrag eines geteilten Beitrags ist keine Quelle. Öffnen Sie das Konto und prüfen Sie sein Alter, seine übrigen Beiträge und ob es wirklich zu der Person oder Organisation gehört, deren Namen es trägt. Ein neues Konto mit berühmtem Namen ist ein Warnzeichen. Bei einer Sprachnachricht ist die Quelle der Absender: Kennen Sie diese Nummer schon?
Schritt 3: nach älteren Kopien suchen
Eine umgekehrte Bildersuche (auch Rückwärtssuche) sucht mit einem Bild statt mit Wörtern und findet, wo dasselbe oder ähnliche Bilder im Netz auftauchen. Kostenlos geht das etwa mit Google Lens, der visuellen Suche von Bing und TinEye. Suchen Sie nach der ältesten Kopie und ihrem ursprünglichen Zusammenhang. TinEye kann die Treffer nach Datum sortieren. Bei Google zeigt die Ansicht „Über dieses Bild“, wann Google ein Bild zuerst gesehen hat und wie andere Websites es beschreiben (Quelle: Google, 2023, blog.google).
Bei einem Video machen Sie Screenshots von einigen Schlüsselmomenten, etwa vom ersten Bild, einem deutlichen Gesicht oder einem Straßenschild, und suchen nach jedem davon. Journalistinnen und Journalisten nutzen dafür oft das kostenlose Browser-Plugin InVID-WeVerify, das solche Schlüsselbilder automatisch herauslöst.

Kein Treffer beweist nichts. Ein neues Bild ist vielleicht noch nicht erfasst, und zu einem KI-Bild gibt es gar kein Originalfoto. Dann müssen die nächsten Schritte das Gewicht tragen.
Schritt 4: die Herkunftsdaten der Datei lesen
Viele Dateien tragen Angaben zu ihrer Herkunft. Metadaten, bei Fotos oft EXIF-Daten genannt, können Kameramodell, Datum und manchmal den Ort enthalten. Die meisten Foto-Apps zeigen sie in der Info- oder Detailansicht eines Bildes. Content Credentials, die Teil 5 von Level 0 vorgestellt hat, gehen weiter. Manche Kameras und KI-Tools fügen sie hinzu: signierte Angaben darüber, welches Werkzeug eine Datei erstellt oder bearbeitet hat. Ob eine Datei solche Angaben trägt, prüfen Sie kostenlos auf der Verify-Seite der Content Authenticity Initiative (contentcredentials.org). Google gibt an, dass Sie ein Bild auch in die Gemini-App hochladen und fragen können, ob Googles KI es erzeugt hat. Das deckt nur Googles eigene Werkzeuge ab (Quelle: Google, November 2025, blog.google).
Herkunftsdaten haben eine große Schwäche: Sie gehen leicht verloren.

Das Ergebnis zählt deshalb nur in eine Richtung. Content Credentials, die Sie finden, sind ein starker Hinweis darauf, wie eine Datei entstanden ist. Fehlende Credentials beweisen nichts, und einfache Metadaten wie ein Datum lassen sich mit jeder kostenlosen Foto-App ändern. Könnte ein Bild von einem der Generatoren unten stammen, wissen Sie, wonach Sie suchen: Nach Angaben der Anbieter fügt Gemini ein unsichtbares SynthID-Wasserzeichen ein, Adobe Firefly und ChatGPT fügen Content Credentials hinzu. Wir haben diese Angaben nicht getestet.
Kurzbeschreibungen aus unserem Tool-Vergleich, nach Angaben der Anbieter — nicht von ABXK getestet.
Hinsehen, hinhören und den Kontext prüfen
Die Schritte 5 und 6 nehmen den Inhalt selbst und sein Umfeld in den Blick. Die Tabelle nennt Hinweise, die Sie mit eigenen Augen und Ohren prüfen können. Keiner davon ist für sich ein Beweis: Neuere Generatoren vermeiden viele dieser Fehler, und echte Aufnahmen können ähnliche Mängel zeigen.
| Medium | Hinweise, die einen Blick lohnen | Warum sie allein schwach sind |
|---|---|---|
| Bilder | Hände, Schrift auf Schildern, Spiegelungen, Schatten, Ohrringe oder Brillen, die nicht zusammenpassen | Neuere Generatoren beheben vieles davon; auch echte Fotos haben seltsame Details |
| Audio | Fehlende Atemgeräusche, seltsame Pausen, flache Gefühle, falsch ausgesprochene Namen, unpassende Hintergrundgeräusche | Schlechte Telefonleitungen und Komprimierung wirken ähnlich |
| Video | Lippensynchronität, Blinzeln, unscharfe Ränder an Gesicht und Haaren, Licht, das zwischen den Bildern wechselt | Geringe Auflösung und kurze Clips verdecken sie |
Wie Level 0 gezeigt hat, können Menschen gefälschte Stimmen nicht zuverlässig von echten unterscheiden. Und gefälschte Stimmen tauchen nicht nur bei privatem Betrug auf. Im Januar 2024 erhielten Wählerinnen und Wähler in New Hampshire automatisierte Anrufe, in denen eine KI-erzeugte Stimme Präsident Biden nachahmte und sie aufforderte, nicht an der Vorwahl teilzunehmen. Die US-Kommunikationsbehörde FCC verhängte später gegen den politischen Berater hinter den Anrufen eine Strafe von sechs Millionen US-Dollar (Quelle: FCC, September 2024, fcc.gov). Verlangt eine Sprachnachricht oder ein Anruf Geld oder Daten, versuchen Sie nicht, die Stimme zu beurteilen. Nutzen Sie die Rückrufregel aus Teil 1 dieses Levels: auflegen und unter einer Nummer zurückrufen, die Sie schon kennen.
Prüfen Sie dann den Kontext. Passen Datum, Ort und Wetter zur Behauptung? Vergleichen Sie Straßenschilder, Ladennamen, Nummernschilder und die Sprache der Menschen mit dem genannten Ort. Schauen Sie in die Wetterdaten für den Tag und prüfen Sie, ob die Schatten zur Tageszeit passen. Suchen Sie nach dem Ereignis selbst: Ist etwas Großes passiert, berichten vertrauenswürdige Medien und offizielle Stellen darüber, und der Fact Check Explorer von Google findet bereits veröffentlichte Faktenchecks. Im Mai 2023 verbreitete sich in sozialen Medien ein Bild einer Explosion nahe dem Pentagon, höchstwahrscheinlich mit KI erzeugt. Die Börsenkurse gaben kurz nach, und die örtliche Feuerwehr stellte klar, dass es keine Explosion gegeben hatte (Quelle: NPR, Mai 2023). Die Aussage einer offiziellen Stelle entschied den Fall, ganz gleich, wie echt das Bild wirkte.
Unser Leitfaden Deepfakes erkennen erklärt die sichtbaren Hinweise und die Technik der automatischen Erkennung ausführlicher.
Wie viel ein Hinweis beweist und wann Sie Fachleute fragen
Hinweise wiegen unterschiedlich schwer. Ein seltsames Detail oder der Wert eines Detektors rechtfertigt nur einen genaueren Blick. Eine ältere Kopie in anderem Zusammenhang ist ein starker Hinweis. Erst die Originalquelle, die gezeigte Person oder ein Gutachten von Fachleuten kommt einem Beweis nahe.

Detektorwerte stehen nicht ohne Grund in der schwachen Spalte: Sie sind Wahrscheinlichkeiten und irren in beide Richtungen. Level 2 erklärt, wie KI-Detektoren arbeiten und wo sie scheitern.
Manche Fälle sind zu wichtig für eine Prüfung auf eigene Faust. Geben Sie sie früh ab und sichern Sie die Belege:
| Situation | Wer helfen kann | Was Sie aufbewahren |
|---|---|---|
| Eine Stimme oder ein Video verlangt Geld oder Zugang | Ihre Bank, das Sicherheitsteam Ihres Unternehmens, die Polizei | Nachrichten, Telefonnummern, Zahlungsdaten und Uhrzeiten |
| Eine Fälschung zeigt Sie oder jemanden, den Sie kennen, intim oder herabwürdigend | Die Meldefunktion der Plattform, die Polizei, eine Beratungsstelle | Links und Screenshots mit Datum und Uhrzeit; die Datei nicht weiterverbreiten |
| Sie brauchen die Aufnahme als Beweis, etwa vor Gericht oder für eine Versicherung | Eine Anwältin oder ein Anwalt, Sachverständige für Medienforensik | Die Originaldatei, keinen Screenshot und keine weitergeleitete Kopie |
| Sie wollen sie im Beruf veröffentlichen oder weiterleiten | Ihre Kommunikationsabteilung, Faktenchecker, die Originalquelle | Eine Notiz zu jeder Prüfung, die Sie gemacht haben |

