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Fine-Tuning, RAG oder Prompting: so entscheiden Sie

Was Prompting, RAG und Fine-Tuning jeweils ändern, welche Daten und Pflege sie brauchen, wie Sie sie kombinieren — und eine Entscheidungstabelle mit Beispielen.

Von 9 Min. Lesezeit
Was Prompting, RAG und Fine-Tuning jeweils ändern, welche Daten und Pflege sie brauchen, wie Sie sie kombinieren — und eine Entscheidungstabelle mit Beispielen.

Ihre KI-Funktion gibt falsche Antworten, ignoriert Ihr Format oder klingt überhaupt nicht nach Ihrem Unternehmen. Dafür gibt es drei Lösungswege. Sie können bessere Anweisungen schreiben (Prompting). Sie können dem Modell bei jeder Anfrage die passenden Dokumente mitgeben (Retrieval-Augmented Generation, RAG). Oder Sie trainieren das Modell mit eigenen Beispielen weiter (Fine-Tuning). Fine-Tuning klingt oft nach der gründlichen Lösung. In der Praxis macht es beim Aufbau und bei jeder Änderung die meiste Arbeit — und oft löst es das falsche Problem.

Dies ist Teil 4 von Level 3 (Profi). Sie lernen, was jede Methode verändert, welche Daten und welche Pflege sie braucht und wie die drei zusammenspielen. Ein Entscheidungsablauf und eine Tabelle mit Beispielen helfen bei der Wahl. Der Teil baut auf Prompt-Design für Entwickler aus Level 1 und RAG Schritt für Schritt aus Level 2 auf.

Drei Hebel an derselben Anfrage

Jede Antwort eines Sprachmodells hängt von zwei Dingen ab: was das Modell mit der Anfrage bekommt und was es im Training gelernt hat. Die drei Methoden setzen an verschiedenen Stellen an:

  • Prompting ändert die Anweisungen: Systemprompt, Regeln, Beispiele und Ausgabeformat. Die Änderung wirkt ab der nächsten Anfrage.
  • RAG ändert das Wissen in der Anfrage. Ihre App durchsucht Ihre Dokumente und fügt die passendsten Passagen in den Prompt ein. Das Modell selbst bleibt gleich.
  • Fine-Tuning ändert das Modell. Sie trainieren es mit Paaren aus Eingabe und gewünschter Ausgabe weiter, und seine Gewichte — die Zahlen, die es im Training gelernt hat — verändern sich.

Schema einer Anfrage: Der Prompt enthält Anweisungen, Passagen aus Ihren Dokumenten und die Frage der Nutzerin; er geht an das Modell, das die Antwort schreibt; Prompting setzt an den Anweisungen an, RAG an den Passagen und Fine-Tuning am Modell
Drei Hebel an derselben Anfrage: Prompting und RAG ändern, was das Modell bekommt, Fine-Tuning ändert das Modell.

Dieser Unterschied erklärt die meisten Entscheidungen. Anweisungen und Wissen reisen mit jeder Anfrage mit, deshalb können Sie sie jederzeit ändern. Was ein Modell durch Fine-Tuning lernt, steckt in ihm selbst. Das kostet pro Anfrage keine zusätzlichen Tokens, aber jede Änderung braucht einen neuen Trainingslauf.

Fine-Tuning lehrt Verhalten, keine Fakten

Ein häufiger Fehler: Ein Modell wird per Fine-Tuning trainiert, damit es die eigenen Dokumente „kennt“. Die Forschung zeigt, warum das selten klappt. Eine Studie von Microsoft verglich zwei Wege, einem Modell Wissen beizubringen: RAG und Fine-Tuning auf den Dokumenten selbst. RAG schnitt besser ab als Fine-Tuning, sowohl bei Fakten, die das Modell schon gesehen hatte, als auch bei völlig neuen (Quelle: Ovadia u. a., „Fine-Tuning or Retrieval?“, EMNLP 2024). Eine zweite Studie fand heraus, dass Modelle neue Fakten durch Fine-Tuning nur langsam lernen — und dass sie danach eher halluzinieren (Quelle: Gekhman u. a., „Does Fine-Tuning LLMs on New Knowledge Encourage Hallucinations?“, EMNLP 2024).

Stark ist Fine-Tuning dort, wo Prompts an ihre Grenzen kommen:

  • Ein festes Format oder ein fester Stil, der über Tausende Anfragen halten muss, etwa eine Ticket-Notiz mit immer denselben fünf Feldern.
  • Eine enge, sich wiederholende Aufgabe, etwa Texte in Kategorien einordnen oder Felder auslesen. Hier kann ein kleines Modell mit Fine-Tuning ein großes Allzweckmodell ersetzen.
  • Kürzere Prompts: Verhalten, das lange Anweisungen und viele Beispiele brauchte, wandert ins Modell, und jede Anfrage braucht weniger Tokens.
  • Verhalten, das sich schwer beschreiben, aber leicht zeigen lässt, etwa wie Ihr Support-Team eine Anfrage höflich ablehnt.

Riesige Datenmengen brauchen Sie nicht, aber gute Daten. In der LIMA-Studie trainierten Forschende von Meta ein großes Modell mit nur 1.000 sorgfältig ausgewählten Beispielen nach und erzielten starke Ergebnisse (Quelle: Zhou u. a., „LIMA: Less Is More for Alignment“, NeurIPS 2023). Saubere, einheitliche Beispiele zählen mehr als eine große Zahl unordentlicher.

Was jede Methode braucht und kostet

Die drei Methoden unterscheiden sich in Daten, Aufwand und Pflege:

Fine-Tuning, RAG oder Prompting: so entscheiden Sie
PromptingRAGFine-Tuning
Was sich ändertAnweisungen in jeder AnfrageWissen in jeder AnfrageDie Gewichte des Modells
Nötige DatenEine klare Aufgabe und einige BeispieleIhre Dokumente, aktuell gehaltenViele einheitliche Paare aus Eingabe und gewünschter Ausgabe
Aufwand zum StartGeringMittel: Index und SuchpipelineHoch: Daten sammeln, trainieren, bewerten
Laufende KostenLange Prompts verbrauchen mehr TokensSuche plus längere PromptsTrainingsläufe; Hosting bei offenen Gewichten
Wenn sich etwas ändertPrompt bearbeitenIndex aktualisierenNeu trainieren
Kann Quellen nennenNur aus Text im PromptJa, aus den abgerufenen PassagenNein
Typischer FehlerLange Prompts mit widersprüchlichen RegelnFalsche oder fehlende PassagenLernt Fehler aus den Daten; verliert allgemeine Fähigkeiten

Die letzte Zeile braucht eine Erklärung. Ein Modell, das stark auf eine enge Aufgabe trainiert wird, kann bei anderen Aufgaben schlechter werden. Das heißt katastrophales Vergessen (Catastrophic Forgetting). LoRA, die Methode, die nur kleine Adapter-Matrizen trainiert, erhält mehr von den allgemeinen Fähigkeiten des Basismodells als volles Fine-Tuning — lernt dafür aber auch weniger von der neuen Aufgabe (Quelle: Biderman u. a., „LoRA Learns Less and Forgets Less“, TMLR 2024).

Auch über die Zeit unterscheidet sich der Aufwand. Prompting bleibt leicht änderbar. RAG braucht stetige Pflege für den Index. Fine-Tuning macht zu Beginn die meiste Arbeit, und die Arbeit kommt zurück, sobald sich Ihre Daten oder das Basismodell ändern:

Liniendiagramm ohne Zahlen: Gesamtaufwand Ihres Teams über die Zeit; Prompting steigt langsam, RAG beginnt höher und wächst stetig, Fine-Tuning beginnt am höchsten und springt mit neuen Trainingsdaten und einem neuen Basismodell erneut nach oben
Start und Pflege über die Zeit. Illustration eines typischen Musters, keine Messdaten.

Für RAG brauchen Sie eine Vektordatenbank, für das Fine-Tuning eines Modells mit offenen Gewichten GPUs. In unserem Vergleich ist Pinecone nach Angaben der Anbieter eine Vektordatenbank für Suche und Retrieval, und Runpod vermietet GPUs zum Trainieren und Betreiben von Modellen. Devs.ai ist eine Plattform, auf der Teams KI-Apps und Agenten mit ihren eigenen Daten bauen:

Kurzbeschreibungen aus unserem Tool-Vergleich, nach Angaben der Anbieter — nicht von ABXK getestet.

Mit Prompting beginnen, dann diagnostizieren

Die Reihenfolge zählt mehr als die Methode. Beginnen Sie mit dem günstigsten Hebel, und gehen Sie erst weiter, wenn Ihre Tests ein konkretes Problem zeigen. Bevor Sie etwas ändern, bauen Sie ein kleines Eval-Set: typische Eingaben mit den Antworten, die Sie erwarten, wie in KI-Funktionen mit Evals testen beschrieben. Ohne ein solches Set können Sie nicht erkennen, ob eine Änderung geholfen hat.

Sammeln Sie dann Antworten, die schiefgegangen sind, und sortieren Sie sie nach Ursache. Jede Ursache zeigt auf einen Hebel:

Entscheidungsablauf: 20 bis 50 falsche Antworten sammeln und nach Ursache sortieren; ignorierte Anweisungen führen zu einem besseren Prompt, fehlende oder veraltete Fakten zu RAG, schwankendes Format oder schwankender Stil bei großer Menge zu Fine-Tuning und langsame oder teure Antworten zu einem kleineren Modell mit Fine-Tuning; trifft nichts davon zu, braucht die Aufgabe womöglich ein stärkeres Modell
Erst diagnostizieren: Die Ursache der Fehler entscheidet, welcher Hebel hilft.

  • Anweisungen ignoriert oder missverstanden? Verbessern Sie den Prompt: klarere Regeln, Beispiele, ein Ausgabeschema. Viele APIs erzwingen auf Wunsch auch ein JSON-Format, wie in Strukturierte Ausgabe und Function Calling gezeigt.
  • Fakten fehlen, sind veraltet oder intern? Ergänzen Sie RAG. Das Modell braucht die Information im Moment der Anfrage.
  • Format oder Stil schwanken über viele Anfragen, obwohl der Prompt klar ist? Jetzt lohnt sich ein Test mit Fine-Tuning.
  • Gute Antworten, aber zu langsam oder zu teuer? Passen Sie ein kleineres Modell per Fine-Tuning an die Aufgabe an, damit es den langen Prompt nicht mehr braucht.
  • Falsche Schlüsse trotz guter Informationen? Die Aufgabe ist womöglich zu schwer für das Modell. Vergleichen Sie stärkere Modelle in unserer LLM-Datenbank.

Fine-Tuning in der Praxis: geschlossene oder offene Modelle

Fine-Tuning geht auf zwei Wegen. Manche Anbieter bieten Fine-Tuning ausgewählter geschlossener Modelle als Dienst an: Sie laden Beispiele hoch, und der Anbieter trainiert und betreibt Ihre Version. Ein Modell mit offenen Gewichten trainieren Sie selbst — meist mit LoRA auf gemieteten GPUs — und betreiben das Ergebnis auch selbst. Teil 3 dieses Levels zeigt, wie Sie GPUs dafür dimensionieren und mieten.

Kleinere Modelle mit offenen Gewichten sind ein üblicher Ausgangspunkt, weil sie schnell trainieren und mit QLoRA auf eine einzige gemietete GPU passen. Die Zahl mit dem „B“ im Namen gibt ungefähr die Größe in Milliarden Parametern an. Einige Beispiele aus unserer LLM-Datenbank:

Modelle aus unserer LLM-Datenbank
ModellErschienenGewichteECIRang
Llama 3.1-8B Meta AI23.07.2024offen116,6215
Qwen3.5-9B Alibaba24.02.2026offen139,4124
gpt-oss-20b OpenAI05.08.2025offen137,8132
Qwen 3.8 27B Alibaba14.08.2026offen151,652
Gemma 4 31B IT Google DeepMind02.04.2026offen142,9102

ECI = Epoch Capabilities Index, ein Gesamtwert über viele Benchmarks; Rang unter allen Modellen mit ECI. Daten: Epoch AI, abgerufen am 17.10.2026, Lizenz CC BY 4.0. Alle Modelle: LLM-Datenbank.

Prüfen Sie vor dem Start zwei Dinge. Die Lizenz entscheidet, ob Sie das Modell per Fine-Tuning anpassen und das Ergebnis kommerziell nutzen dürfen. Und die Testergebnisse des Basismodells setzen die Obergrenze: Fine-Tuning formt, wie ein Modell nutzt, was es schon gelernt hat. Aus einem schwachen Modell macht es kein starkes.

Ein Sonderfall ist die Destillation: Sie trainieren ein kleines Modell mit den Antworten eines großen, damit das kleine eine enge Aufgabe günstiger übernimmt. Prüfen Sie vorher die Bedingungen des Anbieters des großen Modells, denn manche verbieten, seine Ausgaben zum Training anderer Modelle zu nutzen.

Kombinieren: ein Assistent, drei Schichten

Die Methoden sind keine Konkurrenten. Viele Systeme im Produktivbetrieb nutzen alle drei, jede für den Teil, den sie am besten kann. Eine nützliche Regel: Was sich oft ändert, gehört in die Schichten, die sich leicht ändern lassen.

Drei Schichten eines Support-Assistenten: Der Prompt enthält Aufgabe und Regeln und ändert sich jederzeit; RAG liefert aktuelles Wissen aus dem Hilfe-Center und ändert sich bei jeder Dokumentänderung; das Modell mit Fine-Tuning enthält Hausstil und Ticketfelder und ändert sich selten, mit einem neuen Trainingslauf
Ein Assistent, drei Schichten: Was sich oft ändert, gehört in die Schichten, die sich leicht ändern lassen.

Fine-Tuning kann RAG sogar verbessern. Forschende der UC Berkeley trainierten Modelle mit Fragen samt abgerufenen Dokumenten, darunter auch unpassende. Die Modelle lernten, die richtige Passage zu zitieren und die Ablenkungen zu übergehen (Quelle: Zhang u. a., „RAFT“, UC Berkeley, 2024). Das ist ein fortgeschrittener Schritt. Gehen Sie ihn erst, wenn ein funktionierendes RAG-System die gelieferten Passagen noch falsch verwendet.

Entscheidungstabelle mit Beispielen

Nutzen Sie diese Tabelle als Ausgangspunkt; das letzte Wort hat Ihr Eval-Set.

Fine-Tuning, RAG oder Prompting: so entscheiden Sie (2)
SituationErste WahlWarum
Ein Support-Bot soll nach aktuellen Rückgabe- und Versandregeln antwortenRAGDie Fakten ändern sich, und Antworten sollen die Regel zitieren
Antworten müssen immer gültiges JSON mit festen Feldern seinPrompting mit SchemaStrukturierte Ausgabe erzwingt das Format ohne Training
50.000 Tickets pro Tag sollen in 12 Kategorien sortiert werdenKleines Modell mit Fine-TuningEnge Aufgabe, große Menge, geringere Kosten pro Anfrage
Produkttexte sollen nach Ihrer Marke klingenPrompting mit BeispielenFine-Tuning erst, wenn der Ton über viele Texte schwankt
Fragen zu einem zehnseitigen Handbuch, das sich selten ändertPromptingDas ganze Handbuch passt ins Kontextfenster
Ein interner Assistent braucht Ihren Hausstil und aktuelle DokumenteFine-Tuning plus RAGVerhalten aus dem Training, Fakten aus dem Retrieval
Ein Modell gibt rechtliche oder medizinische Fakten falsch wiederRAG mit Prüfung durch FachleuteFine-Tuning würde die Fakten nicht verlässlich machen
Ein langer Prompt mit vielen Beispielen macht jede Anfrage langsam und teuerKleineres Modell mit Fine-TuningDie Beispiele wandern in die Gewichte

Wie auch immer Sie sich entscheiden: Halten Sie Prompts, die Dokumente hinter Ihrem Index und die Trainingsdaten unter Versionskontrolle. Dann können Sie jede Veränderung der Qualität auf den Hebel zurückführen, der sie ausgelöst hat.